Der Workshop

Der Man for a Day Workshop ist eine einzigartige Erfahrung. Der Workshop wurde 1989 in New York von Diane Torr ins Leben gerufen und seitdem in verschiedensten Kontexten in Nordamerika, Europa und Asien durchgeführt. Von Anfang an schenkten die Medien dem Workshop viel Beachtung und rückten Diane‘s Arbeit in den Blick der Öffentlichkeit. Der Workshop begründete eine Drag King Performance Kultur in Theatern und Clubs in den Städten, in denen er stattfand. Frauen in unterschiedlichen Situationen nahmen aus den verschiedensten Gründen an dem Workshop teil.

Vielleicht habt ihr euer Leben lang Männer in der Nachbarschaft, in der U-Bahn, im Büro, im Auto oder zu Hause beobachtet, und fragt euch, wieso Männer mit Verhaltensweisen davonkommen, die für Frauen als unerwünscht oder sozial inakzeptabel wirken. Oder aber ihr wollt die Erfahrung einer Transformation von Frau zu Mann als einen Weg nutzen, euer „normales“ Verhalten als Frau zu hinterfragen und neue Möglichkeiten zu entdecken.

Stellen wir uns einen Autokauf vor: Von Frauen wird üblicherweise erwartet, dass sie von Autos nichts verstehen und die meisten Autohändler verhalten sich entsprechend. Nach dem Workshop hat eine besonders überzeugende Absolventin in ihrer Rolle als Mann ein Autohaus besucht und ein Geschäft abgeschlossen, dass sie als Frau für unmöglich hielt. Andere Frauen trafen nach der Teilnahme ihren Partner oder ihre Partnerin für eine Nacht voller aufregender Rollenspiele. Manche Teilnehmerinnen sind Schauspielerinnen oder Opernsängerinnen, die lernen wollten, ihre „Hosenrollen“ authentischer zu spielen. Zuweilen nehmen auch Frauen teil, die ihren Wunsch, dauerhaft ein Mann zu sein, erkunden wollen und der Workshop kann zum Katalysator für diese Entscheidung werden.

Die meisten Frauen jedoch durchlaufen den Workshop in erster Linie um Spaß zu haben, um etwas ausgefallenes zu tun. Durch das Experimentieren mit alltäglichen Situation, wie einem Bar- oder Restaurantbesuch und der Interaktion mit anderen in einer neuen Identität, entsteht jeden Tag die Gelegenheit mit ernstzunehmenden Fragen wie „Wer bist du? Ein Mann oder eine Frau?“ zu spielen. Natürlich haben Frauen schon in der Vergangenheit Männerkleidung getragen und die Verkleidung zu ihrem Vorteil genutzt. Ein wichtiger Unterschied zum Workshop ist jedoch, dass wir uns nicht an gegebene Zustände anpassen werden, sondern diese hinterfragen. Durch das Konstruieren einer neuen Identität, werdet ihr neue Möglichkeiten des Daseins finden. Durch das Mann-Werden lernt ihr wie ein Mann zu laufen und wie ein Mann zu reden, ohne einen Testosteron-Aufnäher tragen zu müssen. Der Workshop bietet die Chance, für einen Tag aus der sozialen Konstruktion einer weiblichen Identität zu entkommen und ein ganz neues Selbst zu entdecken.

Diane oder ein Make-Up Artist werden jedem Teilnehmer zu einer individuelle optische Verwandlung verhelfen mit Gesichtshaar, 3 Tage Bart etc.
Jede Teilnehmerin ist für die Herrenkleidung selbst verantwortlich, die für die jeweilige männliche Identität benötigt wird. Bitte bringt außerdem mit: Eine weite elastische Bandage (mind. 15cm) um die Brüste abzubinden und einen Penis (zum Beispiel ein mit Watte gefülltes Kondom). Wir werden lernen, wie Männer Raum einzunehmen, wie Männer zu gehen, zu essen, zu trinken, mit Objekten zu hantieren, wie Männer zu lächeln und vieles mehr. Wir werden in nachgespielten Szenen und Übungen zur Charakterentwicklung miteinander Improvisieren und so unsere neue Identität entwickeln. Dann werden wir öffentliche Orte aufsuchen wie ein Café, ein Restaurant, eine Sportbar, einen Stripclub oder eine Diskothek und dort unsere neue Identität ausprobieren.

Zu Beginn des folgenden Tages geben die Teilnehmer sich gegenseitig Feedback und im Anschluß lernen sie sich selber das Gesichtshaar anzubringen und Make-up aufzutragen. Die Biographiearbeit am neuen männlichen Charakter wird vertieft und es gibt weitere Gelegenheiten neue Orte aufzusuchen. Wir nehmen jeweils aus dem Workshop mit, was uns sinnvoll erscheint, aber wir teilen miteinander die gemeinsame Erfahrung (und den Kick) unsere „üblichen“ Identitäten einmal hinter uns zu lassen und unser Gender Repertoir zu erweitern. Der Workshop endet mit einem Feedback im Studioraum.